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Marcus Tullius Cicero
de re publica I

Cic.rep.1,54-63: Die Monarchie

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I 54-63

(1,54)
Tum LAELIUS:
Quid tu, inquit, Scipio? e tribus istis quod maxime probas?
SCIPIO:
Recte quaeris, quod maxime e tribus, quoniam eorum nullum ipsum per se separatim probo anteponoque singulis illud, quod conflatum fuerit ex omnibus. Sed si unum ac simplex p<ro>bandum <sit>, regium <pro>bem ... Occurrit nomen quasi patrium regis, ut ex se natis, ita consulentis suis civibus et eos conservantis....
54.
Laelius
Nun, sprach Laelius, welche von jenen drei Formen billigst du am meisten, Scipio?
Scipio:
Du fragst zuRecht, welcher von den dreien am meisten; denn einzeln und für sich billige ich keine und jeder von den dreien ziehe ich die vor, die aus allen in eine verschmolzen ist. Soll ich aber durchaus eine und zwar einfache billigen, so möchte ich die königliche billigen ... Hier tritt uns gleich der sozusagen väterliche Namen eines Königs entgegen, der für seine Bürger wie für seine Kinder sorgt und <mit mehr Eifer> auf ihre Erhaltung <als auf ihre Unterjochung> bedacht ist...
(1,55)
Adsunt optimates, qui se melius hoc idem facere profiteantur plusque fore dicant in pluribus consilii quam in uno et eandem tamen aequitatem et fidem.
Ecce autem maxima voce clamat populus neque se uni neque paucis velle parere; libertate ne feris quidem quicquam esse dulcius; hac omnes carere, sive regi sive optimatibus serviant.
Ita caritate nos capiunt reges, consilio optimates, libertate populi, ut in comparando difficile ad eligendum sit, quid maxime velis.
55.
Dagegen treten die Optimaten auf und sagen, sie verstehen eben das besser zu tun, und behaupten, mehrere werden doch besser Rat zu schaffen wissen als einer bei gleich billiger und rechtlicher Gesinnung.
Da schreit aber mit laut erhobener Stimme das Volk auf, weder einem wolle es gehorchen noch wenigen: sei doch selbst den wilden Tieren nichts süßer als die Freiheit; diese aber fehle allen, die, sei es einem König oder den Optimaten dienen.
So spricht uns der König durch Güte an, die Aristokraten durch Einsicht, die Demokratie durch Freiheit, so dass bei dem Vergleich die Wahl, was vorzuziehen sei, schwer fällt.
LAELIUS:
Credo, inquit, sed expediri, quae restant, vix poterunt, si hoc incohatum reliqueris.
Laelius:
Ich glaube es, sagte er, doch wird sich der Rest kaum entwickeln lassen, wenn du hier zu keinem Ergebnis kommst.
(1,56)
SCIPIO
Imitemur ergo Aratum, qui magnis de rebus dicere exordiens a Iove incipiendum putat.
56.
Scipio:
So will ich denn Aratos nacheifern, der glaubt, als er über wichtige Dinge zu sprechen beginnt, mit Iupiter anfangen zu müssen.
LAELIUS:
Quo Iove? aut quid habet illius carminis simile haec oratio?
Laelius:
Warum mit Iupiter? Oder inwiefern gleicht unser jetziges Thema den Gedichten des Aratos?
SCIPIO:
Tantum, inquit, ut rite ab eo dicendi principia capiamus, quem unum omnium deorum et hominum regem esse omnes docti indoctique expoliri consentiunt.
Scipio:
So viel wenigstens, dass wir gebührend mit dem unser Gespräch beginnen, den allein unter allen alle, Gelehrte wie Ungelehrte, einstimmig den König der Götter und Menschen nennen.
LAELIUS:
Quid? inquit Laelius.
SCIPIO:
Et ille: Quid censes, nisi quod est ante oculos? Sive haec ad utilitatem vitae constituta sunt a principibus rerum publicarum, ut rex putaretur unus esse in caelo, qui nutu, ut ait Homerus, totum Olympum converteret idemque et rex et pater haberetur omnium, magna auctoritas est multique testes, siquidem omnis multos appellari placet, ita consensisse gentes decretis videlicet principum, nihil esse rege melius, quoniam deos omnis censent unius regi numine; sive haec in errore inperitorum posita esse et fabularum similia didicimus, audiamus communis quasi doctores eruditorum hominum, qui tamquam oculis illa viderunt, quae nos vix audiendo cognoscimus.
 
Laelius:
Und weiter? erwiderte Laelius.
Scipio:
Was sonst, antwortete jener, als was klar vor Augen liegt? Sei es nun, dass von den Lenkern der Staaten die Ansicht zum Besten des menschlichen Zusammenlebens aufgestellt worden ist, dass ein König im Himmel walte, der, wie Homer sagt, durch das Nicken seines Hauptes den ganzen Olymp in Bewegung setze und der zugleich als König und Vater aller zu betrachten sei; und diese Ansicht bekommt ein großes Gewicht durch viele Zeugen: (wenn man anderes alle viele nennen will:) dass die Stimmen der Völker, nämlich durch der Könige Willen veranlasst, sich so ausgesprochen haben, nichts sei besser als ein König, da ja nach dem allgemeinen Glauben alle Götter durch die Macht eines einzigen regiert werden; oder sei es, dass wir zu aufgeklärt sind, um darin etwas anderes zu erkennen als den Unverstand Unkundiger und Behauptungen, die nicht viel besser sind als Märchen; so lass uns die ihn hören, die gleichsam die gemeinsamen Lehrer der gebildeten sind, die das sozusagen mit leiblichen Augen gesehen haben, was uns kaum zu Ohren gekommen ist.
 
Laelius:
Quinam, inquit Laelius, isti sunt?
Scipio:
Et ille: Qui natura omnium rerum pervestiganda senserunt omnem hunc mundum mente . . .
Laelius:
Wer sind denn diese? fiel Laelius ein.
Scipio:
Diejenigen, (antwortete Scipio,) die sich durch Erforschung der Natur aller Dinge überzeugt haben, dass die ganze Welt durch die Weisheit ***
(1,57)
[Longum est recensere, quae de summo deo vel Thales vel Pythagoras et Anaximenes antea, vel postmodum Stoici Cleanthes et Chrysippus et Zenon, vel nostrorum Seneca Stoicos secutus et ipse Tullius praedicaverint, cum hi omnes et quid sit deus definire temptaverint, et ab eo solo regi mundum adfirmaverint, nec ulli subiectum esse naturae, cum ab ipso sit omnis natura generata. (Lact.epit.4,3)]
57.
[Es wäre zu weitläufig aufzuführen, was über den höchsten Gott schon früher Pythagoras, Thales und Anaximenes oder später die Stoiker Kleanthes, Chrysippos und Zenon (und von unseren Landsleuten im Anschluss an die Stoiker Seneca und Tullius selbst) gesprochen haben: Sie alle versuchen, das Wesen Gottes zu bestimmen und behaupten von (einem) Gott allein werde die Welt regiert und dieser sei keinem weiteren Wesen unterworfen, da jedes Wesen von ihm allein hervorgebracht sei.]
(1,58)
. . . Sed, si vis, Laeli, dabo tibi testes nec nimis antiquos nec ullo modo barbaros.
58.
*** doch wenn du willst, mein Laelius, so will ich dir Zeugen stellen, die weder zu alt sind noch auf irgendeine Weise (als) Barbaren (verwerflich).
LAELIUS:
Istos, inquit, volo.
SCIPIO:
Videsne igitur minus quadringentorum annorum esse hanc urbem, ut sine regibus sit?
LAELIUS:
Vero minus.
SCIPIO:
Quid ergo? haec quadringentorum annorum aetas ut urbis et civitatis num valde longa est?
LAELIUS:
Ista vero, inquit, adulta vix.
SCIPIO:
Ergo his annis quadringentis Romae rex erat?
LAELIUS:
Et superbus quidem.
SCIPIO:
Quid supra?
LAELIUS:
Iustissimus, et deinceps retro usque ad Romulum, qui ab hoc tempore anno sescentesimo rex erat.
SCIPIO:
Ergo ne iste quidem pervetus?
LAELIUS:
Minime ac prope senescente iam Graecia.
Laelius:
Ja, solche wünsche ich.
Scipio:
Gut; du weißt doch, dass es noch keine volle 400 Jahre sind, seit diese Stadt keine Könige mehr hat?
Laelius:
Ja, nicht volle (400 Jahre).
Scipio:
Nun, ist dieses Alter von 400 Jahren für eine Stadt oder einen Staat sehr groß?
Laelius:
Das ist kaum Zeit genug zum Heranreifen.
Scipio:
Also war jetzt vor 400 Jahre zu Rom ein König?
Laelius:
Und zwar ein übermütiger.
Scipio:
Und vor diesem?
Laelius:
Ein höchst gerechter; und so immer nach der Reihe rückwärts bis auf den Romulus, der von jetzt an gerechnet vor 600 Jahren König war.
Scipio:
Also auch er gehört noch nicht ins hohe Altertum?
Laelius:
Nichts weniger; da ging ja Griechenland schon seinem Greisenalter entgegen.
SCIPIO:
Cedo, num(, Scipio,) barbarorum Romulus rex fuit?
LAELIUS:
Si, ut Graeci dicunt omnis aut Graios esse aut barbaros, vereor, ne barbarorum rex fuerit; sin id nomen moribus dandum est, non linguis, non Graecos minus barbaros quam Romanos puto.
Scipio:
So sage doch, war etwa Romulus ein König über Barbaren?
Laelius:
Freilich, wenn die Erklärung der Griechen gilt, die sagen, alle Menschen seien entweder Griechen oder Barbaren, so muss am Ende freilich Romulus ein Barbarenkönig gewesen sein. Darf man aber diesen Namen in Hinsicht auf Gesittung erteilen, nicht in Hinsicht auf die Sprache, so, glaube ich, sind die Griechen nicht weniger Barbaren gewesen als die Römer.
Et Scipio:
Atqui ad hoc, de quo agitur, non quaerimus gentem, ingenia quaerimus. Si enim et prudentes homines et non veteres reges habere voluerunt, utor neque perantiquis neque inhumanis ac feris testibus.
Scipio:
Für unseren Zweck fragen wir hier überhaupt nicht nach der Abstammung, sondern nach dem Geist (eines Volkes). Wenn also nicht nur verständige, sondern auch nicht gar zu weit der Zeit nach entlegene Menschen gern Könige hatten, so sind die Zeugen, deren ich mich bediene, weder zu alt noch zu ungebildete und roh.
(1,59)
Tum Laelius:
Video te, Scipio, testimoniis satis instructum, sed apud me, ut apud bonum iudicem, argumenta plus quam testes valent.
Tum Scipio:
Utere igitur argumento, Laeli, tute ipse sensus tui.
LAELIUS:
Cuius, inquit ille, sensus?
SCIPIO:
Si quando, si forte, tibi visus es irasci alicui.
59.
Laelius:
Wie ich merke, Scipio, bist du mit Zeugnissen wohl versehen. Doch bei mir gelten, wie bei einem guten Richter, Beweise mehr als Zeugen.
Scipio:
Nun, erwiderte Scipio, so lass denn, mein Laelius, dein eigenes Gefühl als Beweis gelten.
Laelius:
Was für ein Gefühl? Entgegnete jener.
Scipio:
Wenn du dir etwa bewusst ist, einmal auf jemanden böse gewesen zu sein.
LAELIUS:
Ego vero saepius, quam vellem.
SCIPIO:
Quid? tum, cum tu es iratus, permittis illi iracundiae dominatum animi tui?
LAELIUS:
Non mehercule, inquit, sed imitor Archytam illum Tarentinum, qui cum ad villam venisset et omnia aliter offendisset ac iusserat, 'A te infelicem', inquit vilico, 'quem necassem iam verberibus, nisi iratus essem.'
Laelius:
Ich war es wahrlich öfter, als ich wünschte.
Scipio:
Nun, sprich: wenn du erzürnt bist, gestattest du dem Zorn die Herrschaft über dein Gemüt?
Laelius:
Nein, wahrhaftig nicht: vielmehr mache ich es wie der berühmte Archytas von Tarent. Als dieser einmal auf sein Landgut kam und alles anders antraf, als er es befohlen hatte, sagte er zu seinem Gutsverwalter: Unglückseliger! Ich hätte dich schon totgeschlagen, wenn ich nicht im Zorn wäre.
(1,60)
SCIPIO:
Optime, inquit Scipio. Ergo Archytas iracundiam videlicet dissidentem a ratione seditionem quandam animi vere ducebat eam<que> consilio sedari volebat; adde avaritiam, adde imperii, adde gloriae cupiditatem, adde libidines; et illud vides, si in animis hominum regale imperium sit, unius fore dominatum, consilii scilicet (ea est enim animi pars optima), consilio autem dominante nullum esse libidinibus, nullum irae, nullum temeritati locum.
60.
Scipio:
Schön, sagte Scipio. Archytas hielt also den Jähzorn, eben weil er sich mit vernünftiger Besonnenheit nicht verträgt, für eine Art von Empörungen der Seele, die er durch Gesinnung gedämpft wissen wollte. Dazu nimmt noch Habsucht, Herrschsucht, Ruhmbegierde, wilde Begierden; und du begreifst, dass, wenn in der menschlichen Seele eine königliche Regierung stattfindet, der Oberherr ein einziger sein werde, nämlich die Besonnenheit; denn diese ist der beste Teil der Seele: dass aber, wenn die Besonnenheit herrscht, die wilden Begierden, der Zorn und die Unbesonnenheit nicht aufkommen können.
LAELIUS:
Sic, inquit, est.
SCIPIO:
Probas igitur animum ita adfectum?
LAELIUS:
Nihil vero, inquit, magis.
SCIPIO:
Ergo non probares, si consilio pulso libidines, quae sunt innumerabiles, iracundiaeve tenerent omnia?
LAELIUS:
Ego vero nihil isto animo, nihil ita animato homine miserius ducerem.
SCIPIO:
Sub regno igitur tibi esse placet omnis animi partes, et eas regi consilio?
LAELIUS:
Mihi vero sic placet.
SCIPIO:
Cur igitur dubitas, quid de re publica sentias? in qua, si in plures translata res sit, intellegi iam licet nullum fore, quod praesit, inperium, quod quidem, nisi unum sit, esse nullum potest.
 
Laelius:
Ganz richtig.
Scipio:
Du billigst also, eine so gestimmten Seele?
Laelius:
So sehr, als ich nur irgendetwas billigen kann.
Scipio:
Du würdest es demnach nicht billigen, wenn die Begierden, deren Zahl unendlich ist, oder der Jähzorn alles beherrschten?
Laelius:
Ich kann mir nichts Unseligeres denken als ein solches Gemüt und einen Menschen von solcher Gemütsart.
Scipio:
Unter königlicher Gewalt sollten also nach deiner Ansicht alle Teile der Seele sein und ihr König die Besonnenheit?
Laelius:
Ja, so halte ich es für recht.
Scipio:
Und du besinnst dich noch, dich in Beziehung auf Staatsverfassung zu entscheiden? Das ist doch wohl vollkommen begreiflich, dass, wenn die oberste Gewalt mehreren übertragen ist, im Grunde kein Oberbefehl stattfindet; denn dieser ist ohne Einheit schlechterdings unmöglich.
 
(1,61)
Tum Laelius:
Quid, quaeso, interest inter unum et plures, si iustitia est in pluribus?
Et Scipio:
Quoniam testibus meis intellexi, Laeli, te non valde moveri, non desinam te uti teste, ut hoc, quod dico, probem.
LAELIUS:
Me, inquit ille, quonam modo?
SCIPIO:
Quia animum adverti nuper, cum essemus in Formiano, te familiae valde interdicere, ut uni dicto audiens esset.
LAELIUS:
Quippe vilico.
SCIPIO:
Quid? domi pluresne praesunt negotiis tuis?
LAELIUS:
Immo vero unus, inquit.
SCIPIO:
Quid? totam domum num quis alter praeter te regit?
LAELIUS:
Minime vero.
SCIPIO:
Quin tu igitur concedis idem in re publica, singulorum dominatus, si modo iusti sint, esse optimos?
LAELIUS:
Adducor, inquit, ut prope modum adsentiar.
61.
Laelius fiel ein:
Was aber unterscheidet bitte einen von mehrern, wenn sich bei diesen mehreren Gerechtigkeit findet.
Scipio:
Nun, weil ich denn bemerke, Laelius, dass meine Zeugen dich nicht sonderlich beeindrucken, will ich weiterhin dich selbst zum Zeugen meiner Behauptung machen.
Laelius:
Mich? erwiderte jener, wieso?
Scipio:
Weil ich neulich, als wir auf dem formianischen Gut waren, bemerkt habe, wie du deinen Sklaven ernsthaft einschärftest, sie sollten nur einem aufs Wort folgen.
Laelius:
Freilich, dem Gutsverwalter.
Scipio:
Und wie zu Hause? Führen da mehrere deine Geschäfte?
Laelius:
Nein, sagte er, nur einer.
Scipio:
Und das ganze Hauswesen, leitet das noch ein anderer außer dir?
Laelius:
Im geringsten nicht.
Scipio:
Warum willst du also nicht zugestehen, dass auch in den Staaten die Regierung eines einzelnen, wenn er nur gerecht ist, die beste ist?
Laelius:
Nun, fast bin ich ja so weit, dass ich dir zustimme.
(1,62)
Et Scipio:
Tum magis adsentiare, Laeli, si, ut omittam similitudines, uni gubernatori, uni medico, si digni modo sint iis artibus, rectius esse alteri navem committere, aegrum alteri quam multis, ad maiora pervenero.
LAELIUS:
Quaenam ista sunt?
SCIPIO:
Quid? tu non vides unius inportunitate et superbia Tarquinii nomen huic populo in odium venisse regium?
LAELIUS:
Video vero, inquit.
SCIPIO:
Ergo etiam illud vides, de quo progrediente oratione plura me dicturum puto, Tarquinio exacto mira quadam exultasse populum insolentia libertatis; tum exacti in exilium innocentes, tum bona direpta multorum, tum annui consules, tum demissi populo fasces, tum provocationes omnium rerum, tum secessiones plebei, tum prorsus ita acta pleraque, ut in populo essent omnia.
62.
Scipio:
Du wirst noch mehr zustimmen, Laelius, wenn ich alle Vergleiche beiseite lasse, z.B. dass es besser sei, ein Schiff einem Steuermann, einen Kranken einem Arzt, wenn sie nur ihr Fach tüchtig verstehen, anzuvertrauen als vielen, und zu wichtigeren Gründen übergehe.
Laelius:
Was sind das für Gründe?
Scipio:
Nun, du weißt doch, dass bloß durch den unerträglichen Übermut des einen Tarquinius der Name König bei unserem Volk verhasst ist?
Laelius:
Freilich weiß ich es.
Scipio:
Nun so weißt du auch das, wovon ich gewiss im weiteren Verlauf meines Vortrages noch mehr sprechen werde, dass das Volk nach Verbannung des Tarquinius die noch ungewohnte Freiheit übertrieben hat; wie damals Unschuldige verbannt, vieler Eigentum geplündert wurde; wie man jährliche Konsuln einsetzte, die Liktorenstäbe vor dem Volk senkte, wie man bei allem, was vorkam, an das Volk appellierte, wie die Plebeier in Masse auszogen, überhaupt die ganze Staatsverwaltung sich so gestaltete, dass das Volk als der Souverän erschien.
(1,63)
LAELIUS:
Est, inquit, ut dicis.
SCIPIO:
Est vero, inquit Scipio, in pace et otio; licet enim lascivire, dum nihil metuas, ut in navi ac saepe etiam in morbo levi.
Sed ut ille, qui navigat, cum subito mare coepit horrescere, et ille aeger ingravescente morbo unius opem inplorat, sic noster populus in pace et domi imperat et ipsis magistratibus minatur, recusat, appellat, provocat, in bello sic paret ut regi; valet enim salus plus quam libido.
Gravioribus vero bellis etiam sine collega omne imperium nostri penes singulos esse voluerunt, quorum ipsum nomen vim suae potestatis indicat. Nam dictator quidem ab eo appellatur, quia dicitur, sed in nostris libris vides eum, Laeli, magistrum populi appellari.
 
63.
Laelius:
Ja, es verhält sich so, wie du sagst.
Scipio:
Das geht nun wohl so im Frieden, und wenn Ruhe herrscht. Solange man nichts zu fürchten hat, mag man immerhin mutwillig sein, wie man auf einem Schiff tut, oder in einer unbedeutenden Krankheit.
Aber wie jener Passagier, wenn sich plötzlich das Meer aufzubäumen beginnt und jener Kranke, wenn sich die Krankheit verschlimmert, einen zu Hilfe ruft, so ist auch unser Volk im Frieden und in der Heimat Souverän, bedroht sogar die Beamten, sträubt sich, appelliert, provoziert; im Krieg jedoch ist es so gehorsam wie einem König; denn dann gilt Rettung mehr als Eigenwille.
In besonders bedeutenden Kriegen hat aber unser Volk den ganzen Oberbefehl immer einem, ohne einen Teilnehmer an der Macht übertragen, dessen Name schon den Umfang seiner Vollmacht andeutet. Diktator nämlich heißt der zwar, weil er ernannt wird (dicitur). Aber in unseren (Auguren-) Büchern siehst du ihn, Laelius, Meister des Volkes betitelt.
 
LAELIUS:
Video, inquit.
Et SCIPIO:
Sapienter igitur illi veteres ***
Laelius:
Richtig.
Scipio:
Darum haben die Alten weislich ***
(1,64)
*** iusto quidem rege cum est populus orbatus,
pectora dura tenet desiderium -
sicut ait Ennius, post optimi regis obitum;
simul inter
Sese sic memorant: 'o Romule Romule die,
Qualem te patriae custodem di genuerunt!
O pater, o genitor, o sanguen dis oriundum!
Non eros nec dominos appellant eos, quibus iuste paruerunt, denique ne reges quidem, sed patriae custodes, sed patres, sed deos; nec sine causa; quid enim adiungunt?
Tu produxisti nos intra luminis oras.
64.
*** hat das Volk einen gerechten König verloren,
Dann fällt Trauer die Herzen, so hart sie auch sind -
Wie ihm nach des Ennius Bericht nach des besten Königs Tod geschehen ist,
- und sie klagen
Also zusammen: wie warst du, Romulus, Romulus, wert uns!
Ja dich zeugten die Götter dem Heimatlande zum Hüter:
Vater, Erzeuger! Ohne Blut dem Blute der Götter entsprossen!
Nicht Herren, noch Gebieter nannten sie die, denen sie gesetzmäßig gehorchten; ja nicht einmal Könige, sondern Hüter des Vaterlandes, sondern Väter, sondern Götter. Und nicht ohne Grund. Denn was setzen hinzu?
Du ja zogst uns hervor an das Licht des Lebens und Daseins.
Vitam honorem decus sibi datum esse iustitia regie existimabant. mansisset eadem voluntas in eorum posteris, si regum similitudo permansisset, sed vides unius iniustitia concidisse genus illud totum rei publicae.
Leben (also), Ehre, Wohlergehen glaubten sie der Gerechtigkeit des Königs zu verdanken. Und gewiss wäre auch bei ihren Nachkommen diese Gesinnung herrschend geblieben, wären nur die Könige immer jenem ähnlich gewesen: aber du weißt ja, dass durch die Ungerechtigkeit eines einzigen jene Regierungsform ganz zu Grunde gegangen ist.
Laelius
Video vero, inquit, et studeo cursus istos mutationum non magis in nostra quam in omni re publica noscere.
Laelius:
Freilich weiß ich es; und ich wünsche den Verlauf, den solche Veränderungen nehmen, ebenso gut bei den Staaten und Verfassungen überhaupt wie bei unserem Staat kennenzulernen.
Aufgabenvorschläge:
Sententiae excerptae:
w31
174 Talis est quaeque res publica, qualis eius aut natura aut voluntas, qui illam regit.
  So ist jeder Staat, wie entweder der Charakter oder der Wille desjenigen, der ihn regiert.
  Cic.rep.1,47
Literatur:

34 Funde
3357  Baier, Thomas
Cicero und Augustinus. Die Begründung ihres Staatsdenkens im jeweiligen Gottesbild
in: Gymn.109/2002, S.123-140
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1008  Balzert, M.
Das 'Trojanische Pferd der Moral'. Die Gyges-Geschichte bei Platon und Cicero.
in: AU 39, 3/1996, 49-68
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1009  Botermann, H.
Rechtsstaat oder Diktatur. Cicero und Caesar 46-44 v. Chr.
in: Klio 74 (1992) 179-196
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683  Büchner, K.
Cicero. Bestand und Wandel seiner geistigen Welt
Heidelberg (Winter) 1964
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684  Büchner, K.
M.Tullius Cicero. De re publica. Kommentar
Heidelberg 1984
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1013  Büchner, K.
Die beste Verfassung
in: K.Büchner (Hg.): Studien zur .., S.25-115
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1014  Büchner, K.
Somnium Scipionis und sein Zeitbezug
in: K.Büchner (Hg.): Studien zur .., S.148-172
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1015  Büchner, K.
Der Tyrann und sein Gegenbild in Ciceros "Staat"
in: K.Büchner (Hg.): Studien zur .., S.116-147
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692  Christes, J.
Bemerkungen zu Cicero De rep. 1,60; 2,21-22; 2,30; 3,33
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4584  Cicero, M.T. / O. Weissenfels
Auswahl aus Ciceros Philosophischen Schriften, hgg. v. Oskar Weissenfels. 3. Aufl. besorgt v. Paul Wessner
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1017  Demandt, A.
Der Idealstaat. Die politischen Theorien der Antike
Köln 1993
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1018  Demandt, A.
Cicero und die Res Publica
in: Demandt, A.: Der Idealstaat, Köln 1993, S.221ff
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1019  Dyck, A.R.
On the interpretation of Cicero, De Republica
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3337  Forschner, M.
Naturrechtliche und christliche Grundlegung der Theorie des gerechten Krieges in der Antike (bei Cicero und Augustinus)
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500  Giebel, M.
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Über Ciceros Somnium Scipionis. Zu Ciceros Rechtsphilosophie (de leg.1)
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Zum Text von Cicero, De re publica
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579  Meyerhöfer, H.
Platons Politeia - Ciceros De re publica. Versuch eines Vergleichs
in: Anr 33/4,1987,218
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588  Pahnke, E.
Studien über Ciceros Kenntnis.. des Aristoteles u. Herkunft der Staatsdefinition
Diss. Freiburg 1962
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593  Plasberg, O.
Cicero in seinen Werken und Briefen
Darmstadt (WBG) 1962
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595  Plezia, M.
Spuren des >Politikos< des Aristoteles in Ciceros >De re publica<
in: Moraux: Frühschr. Aristot. WBG 1975
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597  Pöschl, V.
Römischer Staat und griech. Staatsdenken bei Cicero. De re publica
Darmstadt (WBG) 1962
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623  Schmidt, P.L.
Cicero "De re publica". Die Forschg. der letzten fünf Dezennien
in: ANRW I 4 (1973),262-333
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628  Schmüdderich, L. ..
Einführung in Ciceros "De re publica"..Interpret.v. 1,36-45
in: AU VIII 5,23
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630  Schönberger, O.
Cicero, De re publica. Entwurf einer Projektliste im LK Latein
in: Anr 18/1972,73
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636  Schwamborn, H.
Prudens - Gedanken zu Cicero, De re publica 2,64-70
in: AU XIII 1,17
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1289  Schwamborn, H.
M. Tullius Cicero De Re Publica, vollständige Textausgabe und Kommentar.
Paderborn (Schönigh) o.J.
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638  Seel, O.
Cicero. Wort, Staat, Welt
Stuttgart (Klett) 1967
abe  |  zvab  |  look
640  Skutsch, O.
Cicero rep.1,71
in: Gymn 76/1969
abe  |  zvab  |  look
641  Stark, R.
Ciceros Staatsdefinition
in: Klein: Staatsd., WBG 1966 (WdF 46)
abe  |  zvab  |  look
669  Wübert, B.
Cicero Somnium Scipionis - Gedanken zur Sphärenharmonie
in: Anr 34/5,1988,298
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