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Gaius Iulius Caesar

De bello Gallico

Caes.b.G. I : Der Helvetierkrieg (1,1-29)

Caesars Motive und Gründe

 
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Welche persönliche Motive und politische Gründe hatte Caesar, in Gallien aktiv zu werden?

  1. In der römischen Beamtenkarriere spielte Krieg eine entscheidende Rolle [Wi66]. Der Statthalter erwarb sich durch seine res gestae, die dignitas, die seinen politischen Rang begründete. So erklärt z.B. der Gemeinderat von Auximum Caes.BC 1,13,1: neque se neque reliquos municipes pati posse C.Caesarem imperatorem bene de re publica meritum tantis rebus gestis oppido moenibusque prohiberi. [Ge94]
  2. Korrektur der durch die Eroberungen Sullas und Pompeius’ entstandenen Ostlastigkeit der römischen Politik, um einer Hellenisierung Roms entgegenzuwirken. [Wi66]
  3. Romanisierung Galliens, um dem furor Teutonicus ein Bollwerk entgegenzusetzen. [Wi66]
  4. Persönliches Bedürfnis der Selbstverwirklichung als römischer Soldat und Feldherr. [Wi66]
  5. Ausbeutung der Goldvorräte Galliens (Cevennen, Pyrenäen): Als Caesar Gallien verließ, war der Goldpreis in Italien um ein Viertel gefallen. [Wi66]
  6. Zugang zu den Zinn- und Kupferlager Britanniens (spätestens seit 57 plante Caesar eine Kanalüberquerung). [Wi66]
  7. Zugriff auf andere Rohstoffe und Produkte wie Wolle, Stoffe, Leder, Holz (Schiffs-, Wagenbau), Überschüsse im Getreide- und Gemüseanbau. [Wi67].
  8. Die Kontrolle über die Handelswege und dieSenkung der hohen Zölle, die sich die einheimische Aristokratie zahlen ließ, zählte zu den wichtigsten Kriegszielen Caesars. [Wi67]

 

Helvetierkrieg

Aspekt der Lesersteuerung: "Spätestens von M.Rambaud haben wir gelernt, Caesar als einen gewieften politischen Propagandisten zu sehen. In Bezug auf das erste Buch des ‘Bellum Gallicum’ wird das immer wieder so verstanden, als hätte Caesar es geschrieben, um sich zu rechtfertigen, um die ‘vom Zaun gebrochene’ Eroberung Galliens bzw. deren ersten Schritt als notwendig hinzustellen. John Collins hat diese Interpretation in ihre Schranken verwiesen, indem er u.a. gefragt hat: Wie aktuell ist die ‘Kriegsschuldfrage’ noch im Abfassungsjahr 52/51 v.Chr. gewesen? Wieso spricht Caesar ungehemmt von Massakern an der Zivilbevölkerung und ähnlichem?" [Rü6]

Die von Rüpke [Rü6) summarisch zusammengestellten Argumentationsmotive Caesars im ‘Bellum Helveticum’ (Caes.BG. 1,1-14):

  • bellicositas-Motiv: Allgemein wird den Helvetiern bellicositas zugeschrieben (1,4; 2,4; 2,5; 3,6; 10,2)
  • coniuratio-Motiv: Ihre Kriegsmotivation wird diskreditiert: Es geht um eine coniuratio, um die Errichtung eines regnum (2,1; 3,1; 3,5-7) (regnum-Motiv); das Argument des Landmangels wird durch den Kontext entwertet, was schließlich bleibt, ist ein Abenteuer (pericula subire: 5,3).
  • iter-Motiv: Die Helvetier wollen per provinciam nostram marschieren (6,2; 7,1.3.4; 8,3; 10,1; 14,3). Dies ist keineswegs der einzige Weg (6,1; 9,1), obwohl die Helvetier das behaupten (7,3).
  • iniuria- (maleficia-) Motiv: Die Helvetier sind den Römern feindlich gesonnen (7,4; 10,2). Es besteht die Gefahr (periculum-Motiv), dass sie iniurias (maleficia) verüben. (7,3.4; 9,4; 14,2.3.6).
  • contumelia-Motiv: Schon einmal haben die Römer, im Jahre 107 v.Chr., schweren Schaden davongetragen (7,4; 12,5; 14,1), sind sub iugum, unter das Joch, geschickt worden (7,4; 12,5).
  • socii-Motiv: Gefährdet sind aber auch die socii: Das ganze Kapitel 11 ist diesem Thema gewidmet (daneben auch 14,3.6); hier fällt eine wichtige Entscheidung (non exspectandum).
  • poena- (ultio-) Motiv: Der erste Sieg über die Helvetier wird mit einem semantischen Feld beschrieben, das die Begriffe poena (12,6; 14,4) und ulcisci (12,7; 14,5) aufweist. Zu nennen wären auch noch obsides (9,4; 14,6) und satisfactio (14,6).
  • di immortales-Motiv: Schließlich werden die di immortales erwähnt: zwei der ganz wenigen Stellen, an denen in den commentarii über die Taten in Gallien Götter überhaupt erwähnt werden (12,6; 14,5; häufiger in den Exkursen der folgenden Bücher).

Zusätzlich:

  • Barbaren-Motiv: Die Helvetier sind Barbaren (1,3-4). Kriege gegen Barbaren (Romanisierung!) waren für die bellum-iustum-Theorie nicht begründungsbedürftig [Si40].
Sententiae excerptae:
w39
Literatur:

11 Funde
1309  Gutenbrunner, S.
Ariovist und Caesar
in: Rh.Mus.96/1953,97-100
abe  |  zvab  |  look
3074  Jäkel, Werner
Der Auswanderungsplan der Helvetier. Interpretation zu Cesar BG. I 1-6
in: AU 1,1952, 4,40-57
abe  |  zvab  |  look
24  Krefeld, H. (Hg.)
Interpretationen lateinischer Schulautoren mit didaktischen Vorbemerkungen, unter Mitwirkung von,...
Frankfurt/M (Hirschgraben) 1968
abe  |  zvab  |  look
3216  Latacz, J.
Zu Caesars Erzählstrategie (BG.1,1-29: Helvetierfeldzug)
in: AU XXI 3/1978,54
abe  |  zvab  |  look
3270  Mensching, Eckart
Zu den Auseinandersetzungen um den Gallischen Krieg und die Considius-Episode (Caes.Gall.1,21-22).
in: Herm.112/1984, 53-65
abe  |  zvab  |  look
3243  Rüpke, J.
Gerechte Kriege.. Funktion der Götter in Caesars Helvetierfeldzug (BG.1)
in: AU XXXIII 5/1990,5
abe  |  zvab  |  look
3140  Stoessl, F.
Caesars Politik und Diplomatie im Helvetierkrieg
in: Schweiz.Beiträge z.allg.Gesch. 8,1950, S. 5ff.
abe  |  zvab  |  look
3139  Szidat, Joachim
Caesars diplomatische Tätigkeit im Gallischen Krieg
in: Hist. Einzelschriften 14, Steiner, Wiesbaden 1970
abe  |  zvab  |  look
3141  Täubler
Bellum Helveticum. Eine Cäsar-Studie
Zürich 1924
abe  |  zvab  |  look
3129  Walser, Gerold
Bellum Helveticum: Studien zum Beginn der Caesarischen Eroberung von Gallien
Stuttgart, Steiner, 1998
abe  |  zvab  |  look
3260  Wimmel, W.
Caesar und die Helvetier
in: Rh.Mus.123/1980,125/1982
abe  |  zvab  |  look

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